Der Tiroler Höhenweg erstreckt sich über 130 km hochalpiner Wege und mehr als 8.500 Höhenmeter – eine anspruchsvolle 11‑tägige Trekkingtour durch einige der wildesten und eindrucksvollsten Landschaften zwischen Österreich und Südtirol. Sie bietet Stille, Weite, Naturerlebnisse und Begegnungen mit Gleichgesinnten – weit entfernt von den üblichen Touristenströmen. Ein wahrhaft europäischer Weitwanderweg.
Die Route wurde am 13. Juli 2002 in Sterzing, dem nördlichen Tor zum Eisacktal, feierlich eröffnet. Über zwei Jahre lang arbeiteten der Italienische und der Österreichische Alpenverein gemeinsam daran, bestehende Wege zu verbinden und neue Abschnitte anzulegen. So entstand ein grenzüberschreitender Höhenweg, der ein neues Kapitel in der Geschichte der alpinen Weitwanderwege aufschlägt.
Der Tiroler Höhenweg beginnt in Mayrhofen im österreichischen Zillertal und wurde mit europäischen LEADER‑ und INTERREG‑Mitteln entwickelt. Die Route überquert mehr als ein Dutzend Pässe und durchzieht 12 bedeutende Gebirgsgruppen, darunter das Tribulaun‑Massiv, ein dolomitischer Gipfel und Wahrzeichen des oberen Eisacktals. Von Mayrhofen führt der Weg zum Schlegeis‑Gletscherbecken, weiter zum Pfitscherjoch (Passo di Vizze), zur Landshuter Europahütte, über den Wolfendorn und hinunter zum Brennerpass. Anschließend geht es Richtung Obernberg und in das Gebiet des Tribulaun – dort, und nicht in den Dolomiten, entdeckte der französische Geologe Déodat de Dolomieu erstmals die chemische Zusammensetzung des Dolomitgesteins.
Weiter verläuft die Route durch das historische Bergbaugebiet von Monteneve im Ridnauntal, quert die Passeierregion und erreicht schließlich Meran, unterhalb der Gipfel der Texelgruppe.
Während der gesamten Tour bewegt man sich zwischen 1.600 und 3.000 Metern Höhe, mit Übernachtungen sowohl in hochalpinen Hütten als auch in kleinen Talorten. Einzelne Etappen können problemlos separat begangen werden, da der Hauptweg von mehreren Punkten im Eisacktal – darunter Brennerpass, Pfitschtal und Ridnauntal – gut erreichbar ist. Wer mehr Herausforderung sucht, kann zusätzliche Etappen einbauen, Gipfel besteigen oder Klettersteige im Tribulaun‑Gebiet einplanen. Der bekannte Bergführer Hans Peter Eisendle aus Sterzing, der jeden Stein am Tribulaun kennt, beschreibt den Tiroler Höhenweg als einen Ort von besonderer Einsamkeit und tiefem Schweigen.
Trotz seiner Anforderungen ist der Tiroler Höhenweg in erster Linie ein hochgelegener Wanderweg und kein alpiner Kletteranstieg. Auch im Sommer können kleine Firnfelder auftreten – Steigeisen und Pickel können notwendig sein – und einige ausgesetzte Passagen sind mit Drahtseilen gesichert. Gute Kondition, Trittsicherheit und grundlegende Orientierungskompetenz sind unerlässlich. Wer das Erlebnis voll auskosten möchte, kann sich von einem geprüften Bergführer begleiten lassen. Eine 1:50.000‑Wanderkarte mit Routenbeschreibung ist beim Tourismusverband Eisacktal erhältlich.
Technische Daten
- Start: Mayrhofen, Zillertal (Österreich)
- Ziel: Meran (Südtirol, Italien)
- Länge: ca. 130 km
- Höhenlage: 1.600–3.000 m
- Schwierigkeit: anspruchsvoller hochalpiner Wanderweg
- Dauer: 11 Tage
- Hinweis: Etappen können einzeln begangen werden